Kai
11. Juli 2017
Dominic
11. Juli 2017

Ich liebe eine Frau – und arbeite für die Kirche…

Katholisch aufgewachsen und in der Jugendarbeit „groß“ geworden, führte mich mein Weg nach meiner Ausbildung zur Erzieherin nach Freiburg zum Religionspädagogik Studium. Mit der festen Überzeugung, keine Beziehung leben zu wollen.

Doch das Schicksal wollte es anders. Im ersten Praxissemester begegnete ich meiner Freundin. Und somit begann mein Versteckspiel. Immer mit der Angst im Nacken, wenn das jemand herausbekommt, dann …

Nach Studienzeit und vier intensiven Arbeitsjahren in einer tollen Kirchengemeinde im Schwarzwald, war klar: So kann ich nicht weitermachen. Also wechselte ich in meinen Erstberuf zurück. In die Kita. Da musste ich nicht im gleichen Ort leben und arbeiten und wir konnten endlich zusammenziehen.

Aber auch hier wurde das Versteckspiel nicht leichter, die Angst, was passiert, wenn…war einfach groß. Und so war es dann auch. Drei anonyme Briefe erreichten meinen Chef, dass doch so eine Person wie ich, mit dieser Lebensform, nicht befähigt sein könnte, eine katholische Kita zu leiten. Doch mein Chef hat mich gedeckt. Aber was wäre gewesen wenn …

Ich fühlte mich immer in doppelter Weise am „Rand der Gesellschaft“- frauenliebend und bekennend gläubig. Das hat krankgemacht. Trennung, Klinikaufenthalt, Fragen, Zweifel, Tränen…

2013 dann der Wendepunkt. Eine neue Partnerin in einer fremden Stadt. Und die Überzeugung: Ich verstecke mich nicht mehr. Es folgten Bewerbungen – offen geoutet in katholischen Kitas. Zur Antwort kam ich: „Es tut uns leid, wenn Sie Muslimin wären, könnte ich sie leichter in leitender Funktion anstellen, als wenn Sie bekennend homosexuell leben wollen.“

Und somit war ich nun endgültig am Ende meiner „katholischen Laufbahn“. Überzeugt, aus der Kirche auszutreten, begegnete bin ich meinem neuen Chef. Ein protestantischer Pfarrer der evangelischen Landeskirche der Pfalz. Und eine Kirchengemeinde, die mich offen, bekennend lesbisch lebend, akzeptiert und wertschätzt. Evangelisch konvertiert, lebe ich nun mit meiner Partnerin, in einer Kirche, bei der ich sein darf, wie ich bin. Eine von Gott gewollte Frau, die eine Frau liebt.

Andrea, Jahrgang 1977