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Schwule Geschichte im Rhein-Neckar-Raum

Schwule und Lesben in der DDR
10. Juli 2017
Lesbisch-schwule Geschichte in Ludwigshafen
10. Juli 2017

ein Projekt zu Beginn der 1990er Jahre

Anfang der 1990er Jahre sammelte sich in Heidelberg eine Gruppe von schwulen M√§nnern, um die schwule Geschichte der Rhein-Neckar-Region zu erforschen und darzustellen. Als Ziel sollte ‚Äě√ľber die [Darstellung der] Geschichte der Schwulen, die, nicht nur, aber in hohem Ma√üe, eine Geschichte der Unterdr√ľckung ist‚Äú, in der Gegenwart ‚Äěein neues Selbstwertgef√ľhl hergestellt und vermittelt werden‚Äú.[1] Dass man sich der ‚Äěschwulen‚Äú Geschichte und nicht der Geschichte von ‚Äěhomosexuellen‚Äú M√§nnern widmen wollte, erfolgte gezielt in Abkehr vom medizinischen Terminus. Die Umkehrung von Schand- und Schmutzvokabular oder auch von Vokabular, das aus dem Bereich der Pathologisierung stammte, in zun√§chst Kampfbegriffe der Schwulenbewegung, sp√§ter positiv besetzte Begriffe, die die schwule Emanzipation, das Selbstverst√§ndnis und die historisch gewachsene Selbstvergewisserung abbildete, war ein Teil der Schwulenbewegung. Mit der Darstellung der ‚Äěschwulen‚Äú Geschichte wollte man sich √ľberdies auch in Abgrenzung von der Geschichte lesbischer Frauen positionieren. Deren Geschichte sei ‚Äď so die Auffassung der damaligen Projektmitarbeiter ‚Äď quellenm√§√üig noch schlechter zu fassen und au√üerdem hatte sich zu Beginn der 1990er Jahre keine Lesbe zur Mitarbeit f√ľr das Projekt gefunden.

 

Die geplante Gliederung der ‚Äěschwulen Geschichte im Rhein-Neckar-Raum‚Äú

Ganz dem provozierenden Elan einer sich nach den menschlichen Trag√∂dien wie den nachfolgenden politischen Hexenjagden der Schwulenbewegung im Gefolge von HIV und im Gefolge der Umw√§lzungen in Ost-Europa erneut¬† erhebenden Schwulenbewegung verpflichtet, plante man als Titel der Ver√∂ffentlichung: ‚ÄěDie perverse Kurpfalz. Kulturkritische Rundg√§nge durch Mannheim, Heidelberg und Umgebung‚Äú. Chronologisch aufgebaut sollte sie √ľber schwules Leben im Mittelalter anhand von Ausz√ľgen aus dem Lorscher Kodex informieren. Auf der Basis des kurf√ľrstlichen Landrechts Friedrichs IV. von 1610 wollte man dann ‚Äěeinen Abriss der badischen Rechtsgeschichte in Bezug auf homosexuelle Handlungen‚Äú geben. Die Strafrechtstheorie und -praxis sollte zwischen 1657 und 1870 dargestellt und anhand von Einzelf√§llen illustriert werden. Die folgenden beiden Kapitel sollten ‚Äď in Fortf√ľhrung der Chronologie ‚Äď den Missbrauch eines Knaben durch einen Pfarrer, der sich an einem Messdiener verging und die in vielerlei Hinsicht brisante Situation darstellen, dass der Vorsitzende des ADAV (Allgemeiner Deutscher Arbeiter Verein, Vorl√§ufer der SPD), Johann Baptist von Schweitzer, im Mannheimer Schlosspark in flagranti mit einem Knaben erwischt wurde und daf√ľr nicht nur im ‚ÄěMannheimer Anzeiger‚Äú, sondern auch vor Gericht landete, jedoch nicht verurteilt wurde.[2]

Magnus Hirschfelds Heidelberger Jahre waren ein weiterer Bestandteil.[3] Dass Magnus Hirschfeld, Begr√ľnder des Wissenschaftlich-humanit√§ren Komitees (WhK) 1897 die weltweit erste Schwulenorganisation schuf und sich sein Leben lang f√ľr die Abschaffung des ¬ß 175 einsetzte, machte ihn zur Ikone der deutschen Schwulenbewegung. Auch sollte dargestellt werden, dass Hirschfeld drei Semester in Heidelberg studiert hatte und wo er damals wohnte.Wie das schwule Nachtleben aussah und wo konkret es sich zwischen 1910 und 1933 abspielte, sollte im Kapitel ‚ÄěDas perverse Mannheim‚Äú abgebildet werden.

Anschlie√üend sollten in Form eines Abrisses Informationen zum Schauspieler und sp√§teren Theaterintendanten August Wilhelm Iffland, zum Dichter August Graf von Platen und ihrem Leben in Mannheim sowie √Ąu√üerungen von Liselotte von der Pfalz, die mit dem schwulen Bruder des franz√∂sischen K√∂nig Ludwigs XIV., Philippe I. de Bourbon, Duc d‚ÄôOrl√©ans, verheiratet war und dar√ľber in ihren Briefen berichtete, zusammengetragen werden. Klaus Mann und seinem Aufenthalt in Heidelberg sollte ein eigenes Kapitel gewidmet werden. Die Darstellung von homosexuellen Personen hatte einerseits die Funktion der Selbstvergewisserung, andererseits konnten gerade die Lebensl√§ufe der Prominenten quasi als Argumente gegen die angebliche ‚ÄěMinderwertigkeit‚Äú oder ‚ÄěAbartigkeit‚Äú homosexueller Lebensl√§ufe dienen. Sie zeigten auch, dass es dieses Leben und diese Menschen immer gegeben hatte.[4]

Nach diesen biografischen Zug√§ngen sollte die Publikation offenbar wieder in eine chronologische Darstellung √ľbergehen. Dementsprechend folgte ‚Äď nach der in den Biografien mehr oder minder mit abgedeckten Geschichte des Kaiserreichs und der Weimarer Republik ‚Äď die Darstellung des schwulen Lebens in der Zeit des Nationalsozialismus, die neben der Verfolgung auch die √úberlebensstrategien darstellen sollte. Um beide Positionen abbilden zu k√∂nnen, wollte man sich neben den Verfolgungsakten bei den Beh√∂rden auf Zeitzeugenaussagen beziehen.[5] In gleicher Weise war geplant, die Nachkriegszeit zu zeigen. Mit diesem Verfahren wollte man abschlie√üend bis in die Gegenwart der 1990er Jahre √ľberleiten, zu der auch die Darstellung der Gruppen, die eine schwule Emanzipation und eine Bewegung in der Region abbildeten, wie ‚ÄěSchAM‚Äú, ‚ÄěSchwup‚Äú und ‚ÄěHomo Heidelbergensis‚Äú, geh√∂rte. In Form von Randnotizen, die den Beweis antraten, dass es ein kleineres schwules Leben auch in kleineren St√§dten gegeben hatte, sollte abschlie√üend gezeigt werden, dass es auch in Speyer und Schwetzingen schwules Leben gegeben hatte. Ludwigshafen und die dortige schwule Geschichte kamen in den Planungen nicht vor.[6]

In der ‚ÄěRosamunde. Zeitung im schwulen Heidelberg‚Äú wurde 1990 ein erster Bericht zum Projekt publiziert.[7] Im Rahmen der der Sommeruniversit√§t Heidelberg im Juni 1993 hielt man √ľber die ‚ÄěSchwule Geschichte im Rhein-Neckar-Raum‚Äú einen Vortrag.[8]

In der √úberlieferung ist auch erkennbar, dass sich die Gruppe am Projekt ‚ÄěHomostudien‚Äú der Berliner Humboldt Universit√§t, das dort im Gefolge der Aufl√∂sung der ‚ÄěInterdisziplin√§ren ¬†Arbeitsgruppe Homosexualit√§t‚Äú Anfang der 1990er Jahre gegr√ľndet worden war, beteiligen wollte[9]. Es sollte ein Netzwerk Homosexualit√§t/Schwulen- und Lesben-Studien aufgebaut werden.[10] Ob dies zustande kam, dar√ľber geben die vorliegenden Unterlagen keinen Aufschluss. Es finden sich auch Pl√§ne zu einer Ausstellung der schwulen Geschichte im Rhein-Neckar-Raum. Es bleibt offen, in welcher Weise diese Ausstellung realisiert werden sollte.[11]

 

Die Materialbasis des Projekts. Eine Bestandsaufnahme in Streiflichtern: Quellen, Inhalte, Einsichten, Vernetzungen 

Die zu Beginn der 1990er Jahre zusammengetragenen Quellen ergeben in ihrer √úbersicht einen informativen Ersteindruck des schwulen Lebens im Rhein-Neckar-Raum.

F√ľr die fr√ľhesten Ans√§tze wollte man auf Mikrofilme von Handschriften der Universit√§tsbibliothek M√ľnchen zur√ľckgreifen.[12] F√ľr die badische Rechtsgeschichte sind keine Quellen vorhanden. F√ľr die Kaiserzeit hatte man neben Zeitungsausschnitten zu einzelnen Personen auch Fachzeitschriften, Ausschnitte aus Romanen und Gedichte als Quellenfundus zusammengestellt. Im Kulturmagazin ¬†¬†¬†¬†‚ÄěKairos‚Äú der Jahrhundertwende-Gesellschaft Heidelberg wurde beispielsweise √ľber den Jugendstilmaler Fidus berichtet.[13] Oder man fand in zeitgen√∂ssischen Zeitungsberichten Hinweise darauf, dass man das Stefan-George-Archiv in Stuttgart Informationen √ľber das Schwulsein von Stefan George erhielten.[14]

Mithilfe von Zeitschriften wie ‚ÄěDer Eigene‚Äú[15], ‚ÄěDie Insel‚Äú[16] und ‚ÄěDie Freundschaft‚Äú[17] war es m√∂glich, einige potentiell relevante Namen von Akteuren fr√ľherer Zeit zu erschlie√üen.[18] Dar√ľber hinaus konnten diese Zeitschriften auch dar√ľber informieren, in welchen Lokalen sich die schwulen M√§nner zur jeweiligen Zeit trafen, so dass man mithilfe dieser Quellen beispielsweise Lokalit√§ten wie das ‚ÄěHotel Central‚Äú oder die Gastst√§tten ‚ÄěKarl Theodor‚Äú und ‚ÄěWei√üer Elephant‚Äú ermittelte.[19] Mit diesen Unterlagen zeigt sich, dass die erste General-Versammlung des ‚ÄěBundes f√ľr Menschenrecht‚Äú[20] in Mannheim am 14. Januar 1933 stattfand und etwa zwei Wochen vor der Macht√ľbertragung an die Nationalsozialisten zu folgender Einsch√§tzung kam: ‚ÄěMan darf sagen, da√ü jetzt die hiesige Ortsgruppe eine aufw√§rtsgehende Konjunktur zeigt. Gro√üen Schaden hatte die hiesige Ortsgruppe erlitten durch die Schlie√üung des ‚ÄěSchlo√ü-Hotel‚Äú, aber auch derartige Schicksalsschl√§ge m√ľssen getragen werden. Nun befindet sich das neue Bundeslokal im ‚ÄěHotel Central‚Äú, Mannheim, am Tattersall [...]. Die Zusammenk√ľnfte finden regelm√§√üig Samstags [sic!] und Sonntags [sic!] ab 20 Uhr statt. Der Eingang ist separat beim Portier. M√∂gen nun die hiesigen Mitglieder ihrer Pflicht bewu√üt sein und alle noch Au√üenstehende zur Mitarbeit bewegen. Da√ü auch ernste Arbeit geleistet wird, sollen alle Artgenossen in einer folgenden Vortragsreihe erfahren. Helft mit, werdet Mitglieder und Freunde und die Stunden im Bund f√ľr Menschenrecht e.V., werden euch zu Freudenstunden des Lebens werden.‚Äú[21] Auch die anderen Quellen der 1920er Jahre zeigen, dass man sich allenfalls sehr vorsichtig in der √Ėffentlichkeit bewegte. So finden sich beispielsweise Kontaktanzeigen wie folgende: ‚ÄěMannheim. Wer w√ľrde sich einem Herrn, Ende der 30er Jahre, als Freund anschlie√ü[en]. Diskr[etion] Ehrensache. Offerten unter [...] an d[en] Verl[ag].‚Äú[22]

Um die Situation, ausgehend von diesen in den einschl√§gigen Zeitschriften tradierten Informationen, zu erschlie√üen, wollte die Gruppe im Stadtarchiv Mannheim in den Gasthausakten, Polizeiakten der ehemals st√§dtischen Polizei, in alte Prozessakten, Bildmaterialien sowie ggf. im Pressearchiv recherchieren.[23] Die meisten von der Gruppe zusammengetragenen Polizeiakten sind zwischen 1912 und 1914 datiert. Es findet sich eine Akte von 1929 und zwei weitere von 1943/44.[24] In diesen wurden die Festnahmen von M√§nnern in Gastst√§tten oder Toiletten protokolliert. Es finden sich hierin Aussagen von Wirten, die der Polizei √ľber ihre Besucher Auskunft geben und dabei immer darauf verweisen, dass sie den schwulen M√§nnern eine M√∂glichkeit boten, sich zu treffen in ihren Gasth√§usern und eben nicht der P√§derastie Vorschub leisteten.[25] Es findet sich auch eine Liste von 14 Personen, die ‚Äěim dringenden Verdacht stehen, P√§derastie miteinander zu treiben‚Äú.[26] Ein Bericht des Gro√üherzoglichen Bezirksamtes ‚Äď Polizeidirektion ‚Äď in Mannheim meldete 1914 beispielsweise folgenden Vorfall: ‚ÄěWie bereits aktenm√§√üig bekannt ist, verkehren in obiger Wirtschaft fast ausschlie√ülich solche Personen, die im Verdacht stehen, in Bezug auf ¬ß 175 R.St.G.B. nicht einwandfrei zu sein. In der Nacht vom 9./10.IV.14 fr√ľh gegen 2 Uhr konnte man durch die Fenster beobachten, da√ü sich noch einige G√§ste in der Wirtschaft befanden. Einige Minuten nach 2 Uhr schlo√ü der Wirt [‚Ķ] nach unserer Wahrnehmung die nach der Stra√üe f√ľhrende Wirtschaftst√ľr ab und machte den davor befindlichen Fensterladen zu. Auch die √ľbrigen Fensterl√§den waren geschlossen, so da√ü man nur durch einen kleinen Spalt ganz wenig in das Lokal sehen konnte. Schutzmann [‚Ķ] konnte sogar beobachten, da√ü sich 2 dieser M√§nner gegenseitig umarmten, etwas Weiteres konnte man aber nicht sehen. [‚Ķ] Punkt 2 Uhr 15 Min. √∂ffnete dann [.. der Wirt] wieder die Wirtschaftst√ľr und verlie√üen die G√§ste die Wirtschaft. [‚Ķ] Zweifellos hat [‚Ķ der Wirt] die Wirtschaftst√ľr nur verschlossen, damit sich seine G√§ste ungest√∂rt gegenseitig ‚Äěunterhalten‚Äú, wenn nicht sogar gegenseitig geschlechtlich befriedigen konnten. Ein Nachweis ist daf√ľr leider nicht zu erbringen, da die Betreffenden ihre Schweinereien nur begehen, wenn sie vollst√§ndig unter sich sind, d. h. niemand dabei ist, der der Beh√∂rde Auskunft geben w√ľrde.‚Äú[27]

Um die weitere Geschichte der Verfolgung seit der Kaiserzeit abzubilden, wandte sich die Gruppe an die Archive. Das Generallandesarchiv in Karlsruhe teilte in Zeiten vor der digitalen Erfassung und Recherche mit, dass es die Best√§nde des Amtsgerichts Mannheim und Heidelberg nicht auf die gew√ľnschten Punkte hin untersuchen k√∂nnte, da diese zu umfangreich seien. Es wurde jedoch das Angebot gemacht, dass selbst mit den Findmitteln gearbeitet werden k√∂nnte.[28] Doch hierf√ľr finden sich keine Belege. Auch die Anfragen bei der Polizei in Mannheim und Heidelberg nach den Best√§nden der Sittenpolizei f√ľhrten zu keinem Ergebnis. Auch hier war die √úberlieferung das Problem. So war der Bestand der Sittenpolizei beim Polizeipr√§sidium Mannheim vermutlich bei einem Bombenangriff vernichtet worden.[29] Die Polizeidirektion Heidelberg informierte dar√ľber, dass dort nicht bekannt sei, wohin die Akten der ehemaligen Sittenpolizei Heidelberg verbracht worden waren.[30]

Es findet sich im von der Gruppe zusammengetragenen Quellen-Bestand auch die Akte eines Sch√ľlers aus Mannheim, der mit 18 Jahren wegen Versto√ües gegen den ¬ß 175 im Juli 1943 zu vier Monaten Gef√§ngnis verurteilt wurde[31]. Wie nicht un√ľblich, wurde ‚Äěder Vollzug der Strafe [‚Ķ] vom Gericht [‚Ķ] ausgesetzt, um dem Verurteilten Gelegenheit zur Frontbew√§hrung zu geben.‚Äú Dass die Strafverfolgungsbeh√∂rden in Mannheim nach dem Ende des NS-Regimes sehr schnell und ‚Äěin bew√§hrter Weise‚Äú gegen die Schwulen weiterarbeiteten, zeigt das Schreiben ebenfalls, denn mit einem Schreiben bereits vom 4. Dezember 1945 ersuchte nun die Mannheimer Justiz zu erfahren, wo sich der Verurteilte zu dieser Zeit aufhielt.[32]

Um den Gerichts- und Polizeiakten die Sicht der Betroffenen gegen√ľberzustellen, stellte die Gruppe eine Anfrage nach dem Melderegister-Eintrag von Einwohnern √ľber 75 Jahren in Heidelberg, um auf diese Weise Adressen von m√∂glichen Zeitzeugen zu ermitteln, also von solchen M√§nnern, die beispielsweise in den Akten aufgetaucht waren oder in den Zeitschriften genannt wurden und diese dann anzuschreiben. Dies wurde mit Hinweis auf das Verbot von Gruppenausk√ľnften abgelehnt.[33] Die Gruppe schaltete daher Annoncen in der Zeitung ‚ÄěSperrm√ľll‚Äú mit folgendem Wortlaut: ‚ÄěWir suchen √§ltere Herren, die den ‚ÄěBund f√ľr Menschenrecht‚Äú und die Lokale ‚ÄěZum Kurf√ľrsten‚Äú und ‚Äězu den drei K√∂nigen‚Äú in Mannheim kannten. Wie konnte man ‚ÄěDie Insel‚Äú, ‚ÄěDie Freundschaft‚Äú und ‚ÄěDer Eigene‚Äú kaufen? Wir sind f√ľr jede Information dankbar.‚Äú[34] Hier ist jedoch kein Brief oder eine sonstige √Ąu√üerung als R√ľcklauf zu diesem Aufruf auffindbar.

Wenn man der Chronologie folgt, dann zeigt sich in den von der Gruppe zusammengetragenen Materialien f√ľr die Nachkriegszeit eine L√ľcke bis zu den 1960er Jahren. Erst in den 1970er Jahren setzt im zusammengestellten Material eine weitere √úberlieferung ein. Diese L√ľcke erkl√§rt sich mit den Sperrfristen f√ľr die in Archiven aufbewahrten Best√§nde. Diese L√ľcke ist jedoch von daher bemerkenswert, da es in den 1950er und 1960er Jahren durchaus ein schwules Leben im Rhein-Neckar-Raum gegeben hatte, das sich eben nicht durch Akten die Seite der Verfolgung, sondern durch Material aus Zeitschriften die Seite der Selbstwahrnehmung h√§tte abbilden lassen. Eventuell wurde das Projekt auch beendet, bevor man diesen Zeitabschnitt untersuchen konnte.

Doch mit den f√ľr die 1970er Jahre vorliegenden Quellen erkennt man, dass sich die Selbstwahrnehmung der Schwulen seit den Stonewall Unruhen in der Christopher Street in New York sehr ver√§ndert hatte ‚Äď auch in der Rhein-Neckar-Region.

So wurde in den 1970er Jahren das Gay-Journal, das in einem Leserbrief als das ‚Äěseri√∂seste Homo-Organ‚Äú bezeichnet wird, ‚Äěausgerechnet‚Äú in Heidelberg, wo ‚Äěin puncto puncti wei√ü Gott nichts los‚Äú war, publiziert.[35] Es finden sich hier, wie in den Zeitschriften der 1920er Jahren, Annoncen f√ľr einschl√§gige Gastst√§tten, z.B. der Bar ‚ÄěAlte M√ľhle (Old Mill) in Heidelberg.[36] Doch im Gegensatz zu den sehr zur√ľckhaltend und ernst formulierten Anzeigen der Vorkriegszeit gibt es in den 1970er Jahren beispielsweise auch Annoncen von vermutlich deutschen M√§nnern zwischen 33 und 25 Jahren, die schwule Amerikaner, auch gerne GIs, kennenlernen wollten.[37] Hinzu traten Annoncen der professionellen Sexarbeiter.[38] Aber auch Immobilienmakler inserierten hier f√ľr Objekte, die zum Aufbau eines schwulen Clubs geeignet schienen.[39] Dass die Gastst√§tte ‚ÄěZum Treffpunkt‚Äú 1972 bereits ihr 10-j√§hriges Jubil√§um annoncierte, zeigt, dass es auch eine Szene in Ludwigshafen gegeben hatte, deren Erforschung trotz dieses Hinweises von der Gruppe nicht geplant wurde.[40]

Das schwule Leben in der Rhein-Neckar-Region war in den 1970er Jahren nicht nur vielgestaltiger in seinem Herkommen und offener in seinem Auftreten geworden. Es war auch internationaler. Viele Begriffe der Szene entstammten dem Englischen, da die Bewegung zuerst in den USA entstanden war. F√ľr den Rhein-Neckar-Raum, der mit seinen Freizeitangeboten auch bis nach Kaiserslautern, Frankfurt/Main und Stuttgart ausstrahlte, hatte dies in Zeiten des Kalten Krieges mit den stationierten GIs noch einen weiteren Aspekt. Erstaunlicherweise wurden jedoch zum Thema GIs in der schwulen Szene keine Informationen gesammelt. Dass es solche gab, war jedoch bekannt.[41]

Seit Mitte der 1970er Jahre finden sich die Informationen, wo es welche Angebote gab, im ‚ÄěSpartacus‚Äú, dem seit 1970 publizierten ‚ÄěInternational Gay Guide‚Äú. Neben den Bars, wie dem ‚ÄěWhisky-a-go-go‚Äú in Heidelberg wurden dort auch ‚ÄěHomosexual Groups‚Äú wie die ‚ÄěGay Liberation Front Heidelberg (GLF o. HH)‚Äú verzeichnet.[42] Aber inzwischen wurden auch Hinweise auf das ‚ÄěOutside cruising‚Äú und die ‚ÄěFacilities‚Äú gegeben. An den hier genannten Pl√§tzen trafen sich die M√§nner f√ľr einvernehmlichen Sex zwar bereits seit √ľber 100 Jahren, doch erst in den 1970er Jahren wurden diese Informationen gesammelt, aufgeschrieben und international publiziert.[43] Der ‚ÄěSpartacus‚Äú bildet eine Szene f√ľr alle drei St√§dte mit verschiedenen Aspekten des schwulen Lebens ab, wenngleich mit Fokus auf Orte, die mehr f√ľr schwulen Sex als f√ľr schwules Sein standen.

Es finden auch Quellen zu weiteren Aktivit√§ten, die ein Licht auf ein politisch-bewusstes und emanzipiert schwules Leben der 1970er Jahre werfen. So fand 1973 ein dreist√ľndiges Tutorium zum Thema ‚ÄěHomosexualit√§t und Gesellschaft‚Äú an der Universit√§t Heidelberg statt, an dem zu Beginn sechs sp√§ter 10 bis 15 Leute teilnahmen.[44] F√ľr das Sommersemester 1974 existiert eine Literaturliste zur Vorlesung ‚ÄěPsychologie, Psychopathologie und Psychosomatik der Sexualit√§t‚Äú, in der die Homosexualit√§t mit vier Buchhinweisen behandelt wird.[45]

Die 1970er Jahre waren sehr politisch und tendenziell politisch links stehend ausgerichtet, speziell was die schwule Bewegung in Heidelberg anging.[46] So findet sich in der Zeitschrift ‚ÄěRote Volksuniversit√§t‚Äú Nr. 8 im Beitrag ‚ÄěDie Sexualit√§t befreien‚Äú mit stark marxistischem Einschlag auch die Information, dass es seit kurzem eine Gruppe Homosexueller in Heidelberg gab.[47] Politisch sind auch weitere Materialien. So bot beim 1. Mai Fest 1976 die Schwulengruppe beim Lili-Asta (Lili = linke Liste) auf dem Fest ein warmes W√ľrstchen und zwei harte rosa Eier f√ľr 1,75 DM an.[48] Es finden sich verschiedene politische Diskussionsbeitr√§ge in der Zeitung ‚ÄěEmanzipation‚Äú.[49] ‚ÄěDas alternative adre√übuch 1977‚Äú verzeichnet dann die Gruppe ‚Äěhomo heidelbergensis (schwule M√§nnergruppe)‚Äú.[50]

In der Quellensammlung findet sich auch ein Aufruf der Heidelschwuls[51] sowie ein Infoblatt zu den Treffen dieser Gruppe, deren ebenfalls verwendete Bezeichnung ‚ÄěHomosexuelle Aktion Heidelberg‚Äú auf das Vorbild der HAW (Homosexuellen Aktion Westberlin, Gr√ľndung August 1971) hinweist.[52] Auch eine Ausgabe der ‚ÄěSchwuchtel‚Äú, die in West-Berlin erschien, ist im Bestand vorhanden, die ebenfalls auf die gute Vernetzung innerhalb der Szene hinweist.[53] Am Beispiel der ‚ÄěHomosexuellen Aktion Heidelberg‚Äú wird auch deutlich, dass man sich bereits zeitgen√∂ssisch bewusst war, dass man sich und seine Aktionen dokumentieren und historisieren sollte und wollte. Dementsprechend findet sich auch ein Text, der die Anf√§nge der Heidelschwuls darstellt.[54]

Auch in Sachen politisch-schwuler Kunst war man in den 1970er Jahren deutschlandweit gut vernetzt. So wurde am 15. Mai 1975 im Kino Gloria in Heidelberg zusammen mit den Gruppen ‚ÄěCarlo Sponti‚Äú und ‚ÄěHomo Heidelbergensis‚Äú Rosa von Praunheims Film ‚ÄěNicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation unter der er lebt‚Äú gezeigt.[55] Auch die aus Hamburg stammende Gruppe ‚ÄěBr√ľhwarm‚Äú mit Corny Littmann und Rio Reiser trat in der Aula der Neuen Universit√§t in Heidelberg auf.[56] Ihr Radiointerview im SDR l√∂ste einen Skandal aus.[57]

F√ľr Mannheim findet sich ein undatierter Aufruf der SchAM (Schwule Aktion Mannheim), deren Mitbegr√ľnder Napoleon Seyfarth in seinem Buch ‚ÄěSchweine m√ľssen nackt sein‚Äú sp√§ter viele weitere Informationen zur schwulen Geschichte Mannheims in den 1980/90er Jahren teilweise sehr detailgetreu festhielt. Im Aufruf der SchAM hei√üt es: ‚ÄěDa√ü nach den Frauen nun auch die Homosexuellen zur Emanzipation schreiten, mag Anlass zu faulen Witzen stiften. Denn w√§hrend die Frauen drauf und dran sind, die Weibchen-Rolle abzulegen, stehen die Schwulen schon bereit, sie zu √ľbernehmen. Hei√üt ‚ÄěEmanzipation‚Äú, da√ü wir uns dem verehrten Publikum als die ‚ÄěNeuen S√ľ√üen‚Äú vorstellen? Gesetzt den Fall unser gemeinsames Interesse ginge √ľber Klatsch, Kosmetikratschl√§ge und h√§usliche Nadelarbeit hinaus, worauf k√∂nnte es sich richten? ‚Ķ [die drei Punkte stehen im Kontext f√ľr ‚ÄěSex‚Äú] Sehr richtig, aber davon kriegen wir im Ghetto der Clubs und Klappen genug. Dorthin hat uns die Gesellschaft gesperrt, mit der Zuweisung uns genau so sch√§big, unsolidarisch und r√ľcksichtslos aufzuf√ľhren wie der Normalb√ľrger‚Äú.[58] Hier wird die Differenzierung der Szene hin zu politisch aktiven Gruppierung besonders deutlich.

Als Bildmaterial finden sich neben Fotografien von Treffen schwuler M√§nner aus den 1970er Jahren in Wien, an denen damals mutma√ülich die im Rhein-Neckar-Raum lebenden M√§nner teilnahmen, auch solche, die Klappen, also die √∂ffentliche Toiletten, die M√§nner f√ľr Kontaktaufnahmen verschiedener Art aufsuchten, oder Cruising Areas in Mannheim, dokumentieren. Vermutlich sind die Aufnahmen zu Beginn der 1990er Jahre im Zusammenhang mit dem Projekt zur schwulen Geschichte im Rhein-Neckar-Raum entstanden. Hier finden sich auch Pl√§ne f√ľr eine Ausstellung zur schwulen Geschichte des Rhein-Neckar-Raumes.[59] Es findet sich auch folgender undatierter Text, der zeigt, dass man zu Beginn der 1990er Jahre vermutlich erstmals begann, die schwule Geschichte des Rhein-Neckar-Raumes zu sammeln, zu dokumentieren und vorhatte, diese zu publizieren: ‚ÄěAufruf! Schwules Leben und schwule Geschichte zum Vergessen verdammt??? Dies ist die Frage, die sich zwei Heidelberger seit einiger Zeit stellen.‚Äú[60]

 

Fazit

Der zusammengetragene Bestand deckt die schwule Geschichte des Rhein-Neckar-Raumes √ľber weite Zeitr√§ume ab. Erstaunlicherweise fehlt Material aus den 1950er/60er Jahren ebenso wie aus den 1980er Jahren, obwohl zu beiden genannten Zeitr√§umen trotz Sperrfristen f√ľr Akten in Archiven gen√ľgend ver√∂ffentlichtes Material zur Verf√ľgung gestanden h√§tte. Dass weder die Einf√ľhrung des Paragrafen 175 im Jahre 1871 noch seine Versch√§rfung in der Zeit des Nationalsozialismus und auch nicht seine Entsch√§rfung 1969 mit Material in der Quellensammlung vorhanden ist, ist ebenfalls bemerkenswert. Denn die Kenntnis dieser Rechtslage, ist ma√ügeblich f√ľr das Verst√§ndnis der Quellen. Doch da der Paragraf 175 erst 1994 abgeschafft wurde, war dieser und seine Konsequenzen in der Projektgruppe so pr√§sent, dass er wohl deshalb nicht explizit erw√§hnt wurde.

Der zusammengetragene Bestand beweist, dass das Leben und die Verfolgung schwuler M√§nner ebenso wie die sich allm√§hlich herauskristallisierende Schwulenbewegung in der Rhein-Neckar-Region seit den 1920er Jahren sich grunds√§tzlich parallel zu derjenigen in Deutschland gestaltete. Auch in den 1970er Jahren war die sich nach dem Kriege neu formierende Schwulenbewegung auf der H√∂he der Zeit: politisiert, politisch aktiv und alle zeitgen√∂ssisch relevanten Themen wurden auch in den St√§dten des Rhein-Neckar-Raumes diskutiert. Dass die schwule Szene zu dieser Zeit deutschlandweit vernetzt war und den f√ľr die Nachkriegszeit typischen amerikanischen Einfluss erhalten hatte, wird ebenfalls deutlich.[61] Dass gerade zu Beginn der 1990er Jahre ein zweiter Schub in der Emanzipation der Schwulenbewegung in der Rhein-Neckar-Region erfolgte, kann ebenfalls als ein zeitlich bedingtes Ph√§nomen gesehen werden, wie es eingangs bereits beschrieben wurde.

Es zeigt sich auch, dass die Initiativen f√ľr schwules Leben, schwule Emanzipation und schwule Identit√§t ma√ügeblich von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen getragen wurden. Im Falle der Gruppe, die sich zu Beginn der 1990er Jahre daran machte, diese Geschichte erstmals aufzuarbeiten und darzustellen, waren dies M√§nner mit historisch-kulturwissenschaftlicher Universit√§tsausbildung. Warum dieses Projekt nicht √ľber den Status der Quellensammlung und die beiden heute noch vorhanden Ordner mit den darin befindlichen Materialien hinauskam, kann nicht beantwortet werden. Mit diesen Streiflichtern auf das von diesen M√§nnern damals zusammengetragene Material soll deren Arbeit mit diesem Text erstmals gew√ľrdigt werden und im Hinblick auf die bisher unvollendete Darstellung der Geschichte der Schwulen in der Rhein-Neckar-Region um einen Schritt nach vorne gebracht werden, indem nun ein erster Text vorliegt, der neben den genannten Streiflichtern, knapp deren historische Einordnung und W√ľrdigung vornimmt, aber auch Hinweise auf Quellenbest√§nde f√ľr weitere Arbeiten gibt sowie Forschungsdesiderate aufzeigt. Das Land Baden-W√ľrttemberg finanziert aktuell ab 2016 eine Promotionsstelle an der Universit√§t Stuttgart, die die Erforschung der Geschichte der Homosexuellen in Baden-W√ľrttemberg zum Inhalt hat. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Ergebnisse zur Geschichte im Rhein-Neckar-Raum noch beigetragen werden k√∂nnen. Doch wer die Geschichte der Rhein-Neckar-Region schreiben will, sollte sich nicht an den heutigen Grenzen der Bundesl√§nder orientieren. Die Schwulenbewegung jedenfalls hat immer Grenzen √ľberschritten.

 

[1]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† ‚ÄěPers√∂nliche Vorstellung‚Äú, S. 3. In: Homosexualit√§t im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 1. Ungeordneter Bestand. O. p. (Privatarchiv Frankfurt am Main)

[2]             Gustav Mayer: Johann Baptist von Schweitzer und die Sozialdemokratie. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Glashuetten 1970.

[3]             Elke-Vera Kotowski (Hg.): Der Sexualreformer Magnus Hirschfeld. Ein Leben im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Berlin 2004. Auch: Ralf Dose: Magnus Hirschfeld. The Origins of the Gay Liberation Movement. New York 2014.

[4]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Zu den ‚ÄěRosa Listen‚Äú prominenter Homosexueller Bernd-Ulrich Hergem√∂ller: Mann f√ľr Mann. Ein biographisches Lexikon, Suhrkamp, 2001, S. 9ff.

[5]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Andreas Pretzel / Volker Wei√ü (Hg.): Ohnmacht und Aufbegehren. Homosexuelle M√§nner in der fr√ľhen Bundesrepublik. Hamburg 2010.

[6]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† ‚ÄěPers√∂nliche Vorstellung‚Äú, S. 4-6. In: Homosexualit√§t im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 1. Ungeordneter Bestand. O.p.

[7]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Die ‚ÄěRosamunde. Zeitung im schwulen Heidelberg‚Äú erschien seit 1980.

[8]             Seit 1990 liegt eine Untersuchung zur Homosexuellenverfolgung in der Pfalz vor, die von der Gruppe nicht erwähnt wird. Vgl. Burkhard Jellonek: Homosexuelle unter dem Hakenkreuz. Die Verfolgung von Homosexuellen im Dritten Reich, Paderborn 1990.

[9]             Vgl. Bert Thinius: Erfahrungen schwuler Männer in der DDR und in Deutschland Ost. In: Wolfram Setz (Hg.): Homosexualität in der DDR. Materialien und Meinungen, Hamburg 2006, S. 9-88. Vgl. Zum Vorläufer dieser Gruppe, der DDR-Forschungsgruppe an der Humboldt-Universität, speziell S. 29-38.

[10]           Korrespondenz zwischen dem Projekt Homostudien an der Humboldt Universität und einem Mitglied der Heidelberger Gruppe, in der das Projekt und sein Arbeitsstand 1993 abgebildet wird. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 1. Ungeordneter Bestand. o.p.

[11]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Notizen zu einer m√∂glichen Ausstellung. In: Homosexualit√§t im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p. Damit lagen die M√§nner zu Beginn der 1990er Jahre an der Spitze der Schwulenbewegung, denn es sollte noch bis 1998 dauern, bis in Berlin die Ausstellung ‚Äě100 Jahre Schwulenbewegung‚Äú gezeigt wurde. Vgl. Manfred Herzer (Hg.): 100 Jahre Schwulenbewegung. Dokumentation einer Vortragsreihe in der Akademie der K√ľnste. Berlin 1998.

[12]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Schreiben an die UB M√ľnchen, 16.01.1991, In: Homosexualit√§t im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 1. Ungeordneter Bestand. O.p.

[13]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Text ‚ÄěAuch schwule Geschichte‚Äú. In: Homosexualit√§t im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 1. Ungeordneter Bestand. O.p.

[14]           Zeitungsartikel ohne Nennung der Zeitung, Bernd Heimberger: Schwindende Gegenwehr. Ein Besuch im Stefan George Archiv in Stuttgart, ohne Datum. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 1. Ungeordneter Bestand. O.p.

[15]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† ‚ÄěDer Eigene. Ein Blatt f√ľr m√§nnliche Kultur‚Äú erschien von 1896/97 bis 1930/32.

[16]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† ‚ÄěDie Insel. Das deutsche Freundschaftsblatt‚Äú erschien 1923-1925. ‚ÄěDie Insel. Das Magazin der Einsamen‚Äú erschien 1926-1933. ‚ÄěDie Insel. Monatsbl√§tter f√ľr Freundschaft und Toleranz‚Äú erschien 1951-1952.

[17]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† ‚ÄěDie Freundschaft. Monatsschrift f√ľr die ideale Freundschaft‚Äú erschien 1919-1933. Vgl auch Bund f√ľr Freundschaft und Freiheit: ‚ÄěDie Gemeinschaft der Eigenen. Ein Nachrichten und Werbeblatt‚Äú erschien 1919-1928/29.

[18]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Vgl. zu den Zeitschriften sowie zum Engagement in der Weimarer Republik und der NS-Zeit: Stefan Micheler: Selbstbilder und Fremdbilder der ‚ÄěAnderen‚Äú. M√§nner begehrende M√§nner in der Weimarer Republik und der NS-Zeit, Konstanz 2005. Vgl. auch http://www.stefanmicheler.de/wissenschaft/stm_zvlggbm.pdf (Zugriff: 04.07.2016)

[19]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Schreiben eines Mitglieds der Gruppe mit dem Titel ‚ÄěSehr geehrte Herren‚Äú, 21.04.1991. In: Homosexualit√§t im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 1. Ungeordneter Bestand. O.p.

[20]           Homosexuellenorganisation, die von 1923-1933 bestand. Vgl. u.a. http://www.schwulesmuseum.de/ausstellungen/archives/2014/view/eldorado-geschichte-alltag-und-kultur-homosexueller-frauen-und-maenner-in-berlin-von-1850-1950/ (Zugriff: 04.07.2016)

[21]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Bl√§tter f√ľr Menschenrecht, Nr. 2/3, 1933, S. 11-12.

[22]           Die Freundschaft. Offizielles Organ des deutschen Freundschaftsverbandes 16/1922 (4. Jg.), 22. April 1922, Anzeigenseite o.p.

[23]           Notiz, die die oben genannten Inhalte festhält. o.D., o. Autor,. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2, ungeordneter Bestand. O.p.

[24]           Akten der Polizei, vermutlich aus dem Bestand des Stadtarchivs Mannheim. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p.

[25]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Abschrift der Erkl√§rung des Wirts G. anl√§sslich der Anzeige gegen ihn als Wirt des Lokals ‚ÄěZu den drei K√∂nigen‚Äú vom 5.12.1912. In: Homosexualit√§t im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p.

[26]           Liste mit den 14 Namen o.D., vermutlich aus dem Bestand des Stadtarchivs Mannheim. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p. Die Akten sind zumeist zwischen 1912 und 1917 und dann 1929 datiert.

[27]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Meldung der Schutzleute Stoll und Fischer vom 11.04.1914 an das Gro√üherzogliche Bezirksamt ‚Äď Polizeidirektion √ľber den Betrieb der Wirtschaft ‚ÄěZu den drei K√∂nigen‚Äú in L 4, 13. In: Homosexualit√§t im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p.

[28]          Schreiben des Generallandesarchiv Karlsruhe an ein Mitglied der Gruppe, 28.6.1990. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 1. Ungeordneter Bestand. O.p.

[29]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Aktennotiz zu einem Telefonat mit der √Ėffentlichkeitsarbeit des Polizeipr√§sidiums Mannheim, 23.08.1990. In: Homosexualit√§t im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 1. Ungeordneter Bestand. O.p.

[30]           Schreiben der Polizeidirektion Heidelberg an ein Mitglied der Gruppe, 24.08.1990. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 1. Ungeordneter Bestand. O.p.

[31]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Vgl. G√ľnter Grau: Homosexualit√§t in der NS-Zeit. Dokumenten einer Diskriminierung und Verfolgung, Frankfurt/Main 2004. Zur ‚ÄěBew√§hrung vor dem Feind‚Äú hier S. 210.

[32]           Schreiben des Amtsgerichts Mannheim an die Polizei Weinheim vom 4. Dezember 1945. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p.

[33]           Schreiben Stadt Heidelberg an ein Mitglied der Gruppe 28.08.1990 / Schreiben eines Mitglieds der Gruppe an Stadt Heidelberg 13.08.1990. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 1. Ungeordneter Bestand. O.p.

[34]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Anschreiben ohne Namen zur Zeitzeugensuche. Text f√ľr ‚ÄěSperrm√ľll‚Äú. In: Homosexualit√§t im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 1. Ungeordneter Bestand. O.p.

[35]           Gay Journal, April / 1978, Rubrik Leserbriefe, S. 26. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p. Das Gay Journal erschien mit den Ausgaben 1-4 1972. 1977 wurde die 5. Ausgabe publiziert. Ab dann wurde das Journal bis 1986 regelmäßig veröffentlicht.

[36]           Gay Journal, April / 1979, o.p. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2, ungeordneter Bestand. O.p.

[37]           Gay Journal, April / 1979, o.p. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2, ungeordneter Bestand. O.p.

[38]           Gay Journal, April / 1978, o.p. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2, ungeordneter Bestand. O.p.

[39]           Gay Journal, April / 1978, o.p. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2, ungeordneter Bestand. O.p.

[40]           Gay Journal Juni 1972, S. 15. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2, ungeordneter Bestand. O.p.

[41]           Einen entsprechenden Hinweis machte eine Zeitzeugin im Rahmen einer Veranstaltung während er Ausstellung im Ludwigshafener Stadtmuseum.

[42]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Die erste Gay Liberation Front Deutschlands wurde in K√∂ln gegr√ľndet. Auf diese bezog sich die Heidelberger Namensgebung offensichtlich.

[43]           Kopie aus dem Spartacus, 1975, o.p. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2, ungeordneter Bestand. O.p.

[44]           Blatt undatiert, ohne erkennbaren Zusammenhang. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p.

[45]           Ausschnitt aus der Literaturliste zur Vorlesung des Sommersemesters 1974. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p.

[46]           Andreas Pretzel / Volker Weiß (Hg.): Rosa Radikale. Die Schwulenbewegung der 1970er Jahre, Hamburg 2012.

[47]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Rote Volksuniversit√§t Nr. 8, undatiert. In: Homosexualit√§t im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2, ungeordneter Bestand. O.p. Die Rote Volksuniversit√§t erschien 1972 und 1973 in Heidelberg. Die genannte schwule Gruppe und ihr Gr√ľndungszeitraum liegen somit fr√ľhestens 1972 oder 1973. Damit erfolgte die Gr√ľndung in Heidelberg relativ fr√ľh. Denn f√ľr M√ľnster ist die Gr√ľndung der ersten Schwulengruppe f√ľr 1972 datiert.

[48]           Uni Spiegel 5/1976, 7.5.1976, 8. Jahrgang. S. 6.

[49]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Homosexuelle Emanzipation. Vermutlich H. 2/1976, o.p. In: Homosexualit√§t im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p. Die Zeitschrift ‚ÄěHomosexuelle Emanzipation. Zeitschrift homosexueller Aktionsgruppen‚Äú erschien 1973-1980.

[50]           Das alternative adreßbuch 1977, S. 6. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2, ungeordneter Bestand. O.p.

[51]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† 2 Bl√§tter des Aufrufs. ‚ÄěHallo Schwule (auch solche, die es mal ganz gerne haben) und Antischwule!‚Äú In: Homosexualit√§t im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2, ungeordneter Bestand. O.p.

[52]          Heidelschwul … Homosexuelle Aktion Heidelberg. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. o.p.

[53]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Die ‚ÄěSchwuchtel‚Äú eine Zeitschrift der Schwulenbewegung erschien von 1975 bis 1977 in West-Berlin.

[54]           Wie bei uns alles anfing. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p.

[55]           Carlo Sponti & Gloria-Kino & Homo Heidelbergensis (Schwule Männergruppe) zeigen. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p. Der Film erschien 1971.

[56]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Plakat f√ľr die Veranstaltung. 21.06. Jahr unbekannt. Die Gruppe bestand zwischen 1975-1979. In: Homosexualit√§t im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p.

[57]           Transkript des Live-Interviews vom 27.11.1976. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. o.p.

[58]           Undatierter Aufruf der SchAM. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p.

[59]           Fotografien der ehemaligen Mannheimer Klappen und Cruising Areas. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p.

[60]           Blatt mit dem Aufruf. In: Homosexualität im Rhein-Neckar-Raum. Ordner 2. Ungeordneter Bestand. O.p.

[61]¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Michael Holy: Lang hie√ü es, Homosexualit√§t sei gegen die Ordnung. Die westdeutsche Schwulenbewegung (1969-1980). In: Manfred Herzer (Hg.): 100 Jahre Schwulenbewegung. Dokumentation einer Vortragsreihe in der Akademie der K√ľnste, Berlin 1998, S. 83-109.

Autor*in

Dr. Christian K√∂nne, Oberstudienrat und Fachvorsitzender f√ľr Geschichte am Hohenstaufen-Gymnasium in Kaiserslautern; daneben Gestaltung von Unterrichtsmaterialien, Lehrerfortbildungen zu verschiedenen Themen in Rheinland-Pfalz. Forschungsschwerpunkte: Schulbuch- und Bildungsmedienforschung, DDR-Geschichte, Geschichte der Prostitution, Verfolgungs- und Emanzipationsgeschichte von Schwulen und Lesben, Geschichte der Amerikaner in Rheinland-Pfalz seit 1945.

Bildnachweis:¬†Stadtarchiv Mannheim, Konzessionakten Anwesen S2, 15a ‚ÄěZum Frankfuter Hof‚Äú; Archiv Nr. 21/1971 Nr. 455;¬†Gay Journal Ausgabe Juni, 1972, S. 15.;¬†Privatsammlung;¬†Privatsammlung;¬†Privatsammlung;¬†Privatsammlung;¬†Bildarchiv Christian K√∂nne